Maria Farmer

Am 3. September 1996 erzählte die 26-jährige Maria Farmer dem FBI brisante Details über Jeffrey Epstein und seine Machenschaften. Und was macht das FBI? Keine Ermittlungen. Kein Aufschrei. Nichts.

29 Jahre später beweisen die Epstein-Files, dass sie mit all ihren Anschuldigungen Recht hatte.

Sie war damals eine junge Künstlerin und beschrieb einem Bundesagenten gegenüber, was sie gesehen hatte. Sie nannte Namen. Sie gab Standorte an. Sie erzählte ihnen von den Kindern und jungen Mädchen.

Eric Fischl mit Maria Farmer in Santa Fe

Maria Farmer war nach New York gekommen, um zu malen. Ihren Masterabschluss hatte sie 1995 an der New York Academy of Art erworben. Sie stammte aus Paducah, Kentucky. Sie hatte Talent und Tatendrang und stand an der Schwelle zu einer Karriere, von der die meisten Künstler nur träumen.

Dann betrat Jeffrey Epstein ihre Abschlussshow.

Was als Stellenangebot begann, wurde zu etwas ganz anderem. Sie arbeitete fortan in seiner Villa in Manhattan, beantwortete Telefonanrufe und beriet in Kunstfragen. Sie beobachtete das Kommen und Gehen. Und sie beobachtete Dinge, die nicht richtig passten.

Dann im Sommer 1996, während sie auf einem weitläufigen Anwesen in Ohio arbeitete, das dem Einzelhandelsmagnaten Les Wexner gehörte, sagte sie, Epstein und Ghislaine Maxwell hätten sie sexuell missbraucht.

Sie schloss sich in einem Zimmer ein und bettelte um Hilfe. Als sie endlich rauskam, ging sie direkt zum FBI. Doch das FBI hielt die Hände still. Es passierte nichts.

Neunundzwanzig Jahre lang lebte Maria Farmer in einer besonderen Stille.

Diese Art der Stille, wo du die Wahrheit gesagt hast und dir niemand geglaubt hat. Wo du Alarm geschlagen hast und die Leute, die zuhören sollten, sich einfach abgewendet haben.

Epsteins Netzwerk wuchs. Seine Verbrechen gingen weiter. Und Maria trug ihre Last größtenteils allein. Ihr Wissen schien die Welt nicht zu interessieren.

2002 versuchte sie es erneut und sprach mit einem Journalisten bei Vanity Fair. Das Magazin hat ihre Geschichte aber nicht veröffentlicht. Aus rechtlichen Gründen, sagten sie.

Sie versuchte es weiter. Die Welt blieb in Bewegung.

Dann, im Dezember 2025, veröffentlichte das US-Justizministerium die Epstein-Files. In diesen Seiten war ihre Beschwerde vergraben, Datum: 3. September 1996.

Fast ein Jahrzehnt vor den Ermittlungen in Palm Beach, die Epstein schließlich zum ersten Mal vor Gericht bringen würden.

Das FBI hatte es gewusst. Es hatte ihre Aussage. Doch es hat nichts getan.

Als Maria sich 2019 öffentlich meldete, begann ihr Körper unter der Last des Ganzen zusammenzubrechen. Ein seltener Gehirntumor. Dann Krebs. Es folgten Operationen und Strahlentherapie.

Sie sagte, dass womöglich das Trauma eine Rolle gespielt habe. Doch selbst als ihr Gesundheitszustand schlechter wurde, redete sie weiter. Und sie widmete sich wieder der Malerei.

Jetzt erstellte sie Pastellporträts. Nicht von sich selbst, sondern von anderen Überlebenden. Jede Frau wurde auf einer Leinwand in leuchtenden Farben dargestellt. Türkis. Rosa. Orange. Gelb.

Sie verschenkt diese Bilder.

Zu lange waren diese Frauen unsichtbar. Maria Farmer sorgt dafür, dass sie gesehen werden.

Überlegen Sie, was es bedeutet, 1996 die Wahrheit gesagt zu haben und bis 2025 ignoriert zu werden. Neunundzwanzig Jahre lang musste sie zusehen, wie der Mann, der sie verletzt hat, immer mächtiger wurde. Mehr geschützt. Unantastbarer.

29 Jahre lang wusste sie, dass das FBI ihre Beschwerde erhalten und nichts unternommen hat.

29 Jahre lang haben Menschen Sie eine Lügnerin, eine Spinnerin oder eine aufmerksamkeitsuchende Frau genannt.

Und dann tauchten endlich die Dokumente auf, die beweisen, dass sie von Anfang an die Wahrheit gesagt hat.

Maria Farmer verlor ihre Gesundheit, ihre Karriere und fast drei Jahrzehnte ihres Lebens mit einer Wahrheit, die niemand hören wollte. Jetzt malt sie Überlebende in leuchtenden, wunderschönen Farben. Sie möchte sichtbar machen, was die Mächtigen auszulöschen versuchten.

Maria Farmer ist heute 56 Jahre alt.