Vergewaltigungsopfer

Bei einer Vergewaltigung wird eine Straftat auf zwei Ebenen ausgeübt: der körperliche Akt und die seelische Grausamkeit. Während die Körperverletzung heilen kann, bleibt die seelische Grausamkeit meist bestehen und verursacht psychische Probleme.

Die Richter vergessen bei ihren Urteilen all zu häufig diese seelische Grausamkeit und gehen mit den Straftätern oft viel zu milde um. In meiner Welt ist Mord und Vergewaltigung nicht weit voneinander entfernt, denn es wird hierbei in beiden Fällen ein Leben zerstört. Nach einer Vergewaltigung ist nichts, wie es vorher war.

Wurde man vergewaltigt, dann steht man vor der Wahl „Mache ich eine Anzeige? Oder verkrieche ich mich?“ Natürlich sagt jeder, dass man eine Anzeige machen muss. Doch das ist für ein Opfer nicht so einfach.

Zum Einen muss die Tat der Polizei sehr detailliert geschildert werden, was zu einem erneuten Durchleben dieser Tat wird. Zum Anderen muss diese Tatbeschreibung auch noch von der Polizei geglaubt werden. Die Polizei muss abwägen, ob sie dieser Schilderung Glauben schenkt. Entspricht diese Erzählung wirklich der Wahrheit? Es gibt eben auch Menschen, die sich auf diese Weise Geldleistungen erschleichen wollen und sich eine Vergewaltigung nur ausdenken.

Für ein Vergewaltigungsopfer bedeutet dies, dass es bei der Schilderung vor der Polizei diese grausame Tat nochmals durchleben muss und hernach Gefahr läuft, dass einem erst nicht geglaubt wird und sämtliche Mühen für die Katz waren. Das ist eine weitere Erniedrigung, die man nicht unbedingt erleben möchte.

Aber selbst wenn man diese Last auf sich nimmt und eine detaillierte Aussage macht, und die Polizei diese Aussage auch noch glaubt, ist der Täter ja noch nicht gefasst. Meist handelt es sich bei derartigen Anzeigen um eine Anzeige gegen Unbekannt. Die Chance, dass der Täter dann auch tatsächlich gefasst wird, ist gering. Sehr gering.

Und für eine solch geringe Chance soll man also diese Tat bei der Aussage nochmals durchleben?

Viele Opfer sehen deswegen von einer Anzeige ab. Sie vertrauen sich im besten Fall ihrem Psychologen/Psychotherapeuten an und das war s. Und ich kann es ihnen nicht verdenken.

Macht ein Vergewaltigungsopfer eine Anzeige und es kommt zu einer Verhaftung und Verhandlung, so kommt es noch lange nicht zu einer Haftstrafe. Sehr häufig gehen die Straftäter mit Bewährungsstrafen aus dem Gericht. Dies ist dann nach der durchlebten Vergewaltigung, der hernach geschilderten Vergewaltigung, die dritte Demütigung des Opfers.

Hier verliert man gerne den Glauben an das Gute im System. Ein Rechtsstaat wird genau hier gefühlt zu einem Unrechtsstaat. Wenn sich in 15 Jahren die Menschen fragen, wie es dazu kam, dass die Bürger irgendwann damit begannen, Selbstjustiz auszuüben, dann könnte das ein Grund sein.


Mein tiefstes Mitgefühl mit allen derartigen Opfern dieser Welt!