Links

Links zu sein war zu meiner Schulzeit schon total trendy. Die Lehrer waren ja so glücklich, sobald ein Schüler sich als links outete. Ein linker Schüler galt automatisch als „intelligent“.

Weil ich bei diesem Schleim-Spielchen nicht mitspielen wollte (ich hasse Schleimer!), hab ich mich damals als „rechts“ geoutet, ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Just to make this clear: ich war nie rechts!* Ich konnte mich nur nicht bei diesem Schleim-Spielchen beteiligen.

Die Definition von Links ist mir selbst heute noch nicht so ganz klar. Deswegen habe ich hier einige Ideen aufgeschrieben, was links sein könnte:

  • Links ist die Bezeichnung für Menschen, die sich für klug halten und woke sein wollen.
  • Links ist der, der unvoreingenommen auf fremde Menschen zugeht.
  • Die Linke ist eine Partei und wer sie wählt ist automatisch links.
  • Jeder, der gegen Faschismus (rechts) ist, ist links – außer natürlich man erkennt den Faschismus in Verbündeten wie bsw der Ukraine. Prangert man diesen Faschismus an, so ist man wieder rechts, obwohl man doch eigentlich links ist!

Es ist kompliziert.

Für mich ist LINKS ein Begriff geworden, der zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt. Denn wer sich als links bezeichnet, der hält sich damit meist für etwas besseres. Damit begegnet er seinen Mitmenschen oft von oben herab.

Dieses in Schachteln denken, also dass man die Menschen in links und rechts einsortieren will, ist nach meinem Gefühl falsch. Denn auch ein angeblich Rechter kann hilfsbereit und nett sein, sogar Ausländern gegenüber. Und ein sogenannter Linker kann ein arroganter, asozialer Wixxer sein. Verallgemeinerung funktioniert einfach nicht. Zumindest nicht in meiner Welt.

Gewisse Verallgemeinerungen funktionieren auch in anderen Kategorisierungen nicht. Wenn sich bsw jemand als schwul outet und sich dann doch irgendwann in eine Frau verliebt, dann funzt dieses „in Schachteln packen“ einfach nicht.

Das Leben ist ein Weg, der Veränderungen mit sich bringt. Wird man in eine Schachtel einsortiert, dann befindet man sich wie in einem Gefängnis, welches förmlich darauf wartet, gesprengt zu werden.

Jeder Mensch kann jeden Tag neu beweisen, ob er cool ist. Und genau das ist die einzigste Kategoriesierung, die ich in meiner Welt akzeptiere: Die Aufteilung der Menschen in COOLE und UNCOOLE Personen.

Diese Aufteilung ist easy to handle. Es entscheidet kein Geld, kein Status, kein Auto, nur das Verhalten in der Gesellschaft, ob jemand COOL oder eben UNCOOL ist. Wie tritt mir jemand gegenüber? Wie behandelt jemand seine Mitmenschen? Das Bewerten von Taten ist genau das, was zu einer Kategorisierung führen sollte.

Ich genieße diese Einteilung sehr und ich tue wahrscheinlich Keinem dabei unrecht. Jeder bekommt seine Chance zu beweisen, wie cool er wirklich ist. Jeder sollte sich so seine Freunde aussuchen und sich seinen Freundeskreis kreieren, denn hier gilt:

Der Mensch ist seines Glückes Schmied!


Bitte verwechseln Sie nicht Links sein mit cool sein!

* „ich war nie rechts!“ ist einfach gesagt, aber wie überprüft man das? Vielleicht beruhigt es Sie, wenn ich Ihnen versichere, dass ich als Bademeister nur sehr selten danach gefragt habe, welche Religion oder Nationalität ein Nichtschwimmer hatte, bevor ich ihn gerettet habe. Dieses Verhalten zieht sich auch in meiner Hilfsbereitschaft fort. Sie wissen schon, wenn man bei einer Treppe geschwind einer Mutter dabei hilft, den Kinderwagen hoch oder runter zu tragen. Ich frage dabei wirklich fast nie nach einer Abstammungsurkunde.

Und dass mir auch ja keine Gerüchte aufkommen ich sei rechts, habe ich extra ein paar ausländische Alibi-Freunde in meinem Freundeskreis platziert. Diese Bemühungen sind heutzutage unbedingt notwendig, da ich mit Kommentaren wie dem Deutschland-Lied provoziere und Verdachtsmomente aufkommen lasse.

Ja, ich provoziere gern. Wer mein Freund sein will, muss das leider aushalten…

Apropos Freunde: Freunde sind nur getarnte Feinde!