Fighter

Irgendwie war ich mein ganzes Leben lang ein Kämpfer. Mein Kampf galt der Ungerechtigkeit. Ich wollte, dass da, wo ich mich aufhalte, Friede und Gerechtigkeit herrscht. Dafür war ich sogar bereit zu kämpfen.

Gut, ein weiterer Kampf war der Kampf gegen Überziehungszinsen. Aber diesen habe ich mittlerweile gewonnen. Mein Überziehungskreditvolumen beträgt NULL Euro…

Was das Kämpfen anging so prügelte ich mich in der Schule als Kind sehr gerne. Irgendwie dachte ich, dass das Raufen bei den Männern genauso dazu gehört, wie das Puppenspielen bei den Frauen. In meinen Prügeleien wurde aber immer darauf geachtet, dass sich Keiner verletzte. Auf am Boden liegende wurde nicht mehr eingeprügelt oder gar eingetreten. Und Messerattacken waren zu meiner Jugend irgendwie kein Thema.

Hier könnte man sich fragen, wie ich als Kind erzogen wurde. Wurde mir vielleicht öfters der Arsch versohlt? Geschah dies etwa auch öfters total unverdient also ohne plausiblen Grund? Was richtet es in einem Kind an, wenn Schutzbefohlene einem Kind Gewalt antun? In wie weit sind wir alle das Produkt unserer Umwelt?

– Diese Fragen werden hier heute aber nicht beantwortet.

Natürlich ging ich dann auch schon recht früh ins Jiu-Jitsu, ein Mix aus Judo, Karate, Tae-Kwon Do und Aikido. Dieser Sport fand in Waiblingen statt, ich wohnte in Winterbach. Diese 15 km Entfernung wurden meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das war quasi das Warm-Up fürs Training.

Als ich dann älter wurde, hörte ich eine Zeit lang mit Kampfsport auf. Doch irgendwie wollte ich wieder etwas anfangen, und so machte ich in verschiedenen Sportarten ein Probetraining. Ausgerechnet im Judo, dem eigentlich sanftesten Kampfsport, wurde ich dann ausgeknockt.

Wir warfen uns im Training auf eine größere Distanz schwere Medizinbälle zu und sollten diese auffangen. Als mir das Auffangen misslang, bückte ich mich nach dem Ball. Genau dabei warf mir das Nachbar-Team einen Wurf aus langer Distanz direkt auf den Kopf und ich brach bewußtlos zusammen.

Für mich ist es wichtig, fit zu sein, denn ich mische mich gerne ein. Irgendwie sorge ich gerne für Ruhe und Ordnung. Das war in der Schule so. Als Bademeister war es so. Als Barkeeper sowieso. Aber eben auch als Privatperson. Und irgendwie hatte ich dabei immer großes Glück, denn passiert ist mir eigentlich nie etwas.

Dass mir nie etwas passiert ist, liegt auch daran, dass ich nur dann angegriffen wurde, wenn ich alleine war. Und da kann man ja einem Konflikt ausweichen, indem man davon rennt. Bruce Lee hat einmal gesagt „Be water, my friend.“, aber für mich galt irgendwie immer „Be Carl Lewis, Andy.“ und ich konnte schnell rennen…

Den Menschen, für die ich mich eingemischt habe, ist hoffentlich nur Gutes widerfahren. Also für den Moment, wo ich da war, ganz sicher. Aber wie war es einen Tag später? Wie war es nach einer Woche? Fragen, auf die ich keine Antwort kenne.

Damit ich nicht einrostete, machte ich irgendwann ganz kurz Wing-Tsun, eine Kung-Fu-Art, bei welcher man möglichst so dasteht, dass man dem Gegner keine Angriffsfläche bietet. Die Hände hält man so, dass die fordere Hand den Angriff abwehrt, während die hintere Hand gleichzeitig einen Gegenangriff startet. Eigentlich ein geniales Konzept.

Doch meine Trainings-Kollegen wanderten irgendwann ins Kickboxen und ins Muay Thai ab und wurden richtig fit, während ich wieder aufhörte. Ich übte mich fortan im „Böse Gucken“. Für meine Hood hat das eigentlich gereicht. Auch heute glaube ich, dass man mit dem richtigen Blick* die meisten Konflikte vermeiden kann.

Als Bademeister genügte es oft nur, auf die entsprechenden Badegäste zu zeigen. Fühlten sich die dann ertappt, entschuldigten sie sich für ihr Verhalten und benahmen sich von da an relativ brav. Wortloses intervenieren – genau mein Ding.

Dies funktioniert auch an anderen Orten. Einfach die grölenden, sich raufenden Kids am Bahnhof mit dem Blick „Ich fress Dich gleich mit Haupt und Haar!“ angucken und schwups, schon kehrt Friede ein. Grandios.

Eine heimliche Bewaffnung lehne ich ab. Lediglich den roten Knopf für die Sprengung der Welt tage ich immer bei mir. Wenn man mich nicht leben lässt, dann gehen wir alle drauf! Das ist mal sicher.

Der beste Kampf ist immer der, den man nicht führt bzw vermeidet!

Der Kampf sollte immer die allerletzte Option sein. Aber das Leben bedeutet nun mal Kampf. Man kommt nicht drum herum. Besser man lernt sich dem Kampf zu stellen.


Mobbing ist eine Kampfkunst, die ich leider nicht beherrsche. Meine Verteidigungsstrategie bei Mobbing oder verbalen Angriffen ist folgende: sie ist einfach nicht vorhanden. Ich habe keine Strategie. Ich bin über diese Mitmenschen einfach nur geschockt und stehe dann da wie ein begossener Pudel.

Das Blöde ist, dass solche Menschen in ihrem Tun sehr geschickt sind. Sie achten bsw darauf, dass wenn sie garstig sind, keine weiteren Personen anwesend sind. Blöd, dass die derzeitige Arbeitswelt für solche Menschen wie geschaffen zu sein scheint. Und jetzt stellen Sie sich vor, sie werden täglich so behandelt. Wie lange erträgt man das?

Natürlich kommt an dieser Stelle gern der Tipp, dass man darüber mit seinem Chef sprechen sollte. Vielleicht habe ich es noch nicht erwähnt: diese Menschen sind in ihrem Tun sehr geschickt. Dazu verkennen die meisten Chefs die zerstörerische Kraft des Mobbings. Sie kennen Mobbing nur aus dem TV, wo das alles natürlich furchtbar ist. Dass soetwas aber in der eigenen Firma stattfinden könnte, haben die meisten Chefs einfach nicht auf dem Schirm.

Dazu ist die mobbende Person natürlich zu den Vorgesetzten super freundlich. Wer möchte, könnte von einer falschen Schlange sprechen. Mir gefällt der Hinweis besser, dass diese Personen einfach sehr geschickt sind. Sie beherrschen einen Kampfstil, der so eigentlich nirgendwo gelehrt wird.

Die Chefs können sich also gar nicht vorstellen, dass diese Person so grausam ist, wo sie doch diese Person völlig anders kennen gelernt haben. Sie raffen nicht, welche „wohltuenden“ Gefühle eine mobbende Person unter den Kollegen erzeugt.

Sie könnten es aber raffen, würden sie mit den Personen ein entspanntes Gespräch führen, die die Arbeitsstelle gekündigt haben. Wer gekündigt hat, braucht die mobbende Person nicht mehr zu fürchten und könnte frei von der Leber weg erzählen, was ihn wirklich dazu bewogen hat, zu kündigen. Solche Gespräche könnten für die Chefs sehr lehrreich sein.

Damit das aber nicht geschieht, dafür sorgt die mobbende Person selbst, indem sie den Chefs beiläufig erzählt, wie schlecht die abwandernde Person doch in Wirklichkeit ist. Die Welt gehört denen, die die beste Ellbogen-Mentalität an den Tag legen. Wer diese Mentalität ablehnt, ist verloren.

Und weil ich keine Lust auf derartige Kriege habe, habe ich es immer genossen, Hartz-4 zu beziehen. Ich habe schon die unterschiedlichsten Arbeiten gemacht: Wenn die Kollegen cool sind, macht jede Arbeit irgendwie Spaß. Sind die Kollegen aber uncool, ist man mit Hartz-4 (jetzt Bürgergeld) besser dran. **


Zurück zum Thema: Heute bin ich ein alter, tatteriger Man, der sich damit anfreunden muss, sich nicht mehr immer überall einmischen zu können. Heute muss ich darauf spekulieren, dass wenn ich in Not geraten sollte, ein Anderer als Retter einspringt und mir den Allerwertesten rettet. Hoffentlich klappt das auch…

Das Gefährliche ist, dass mein Geist noch immer so gepolt ist, dass ich überall für Ruhe und Ordnung sorgen will, mein Körper jedoch alt und schwach geworden ist. Ich sitze eigentlich längst auf der Auswechselbank, will mir das aber noch nicht so ganz eingestehen. Ich muss dringend wieder jünger werden…


* Der richtige Blick bedeutet, den Menschen, vor denen man sich vielleicht fürchtet, in die Augen zu sehen. Schauen diese Menschen dann zurück, dann nicht den Blick erschrocken abwenden, sondern weiter gelassen die Blickrichtung halten.

Mir begegnen viele Mädchen, die auf der Straße konsequent wegschauen. Gut, in meinem Fall kann ich das verstehen. Hier könnte das mit meinem nachteilhaften Äußeren zu tun haben. Aber man signalisiert dabei, als ob man Angst habe, der entgegenkommenden Person in die Augen zu sehen. Bei bösen Menschen könnte das dazu führen, dass sich diese Menschen überlegen fühlen. Dieses Gefühl haben diese Menschen nicht verdient. Dazu könnte dieses Gefühl böse Menschen dazu animieren, Böses zu tun.


** Ich habe ja eine Zeit lang als Coach für Langzeitarbeitslose gearbeitet. Dabei habe ich viele Personen kennengelernt, die genau aus solchen Gründen keinen Bock mehr auf die Arbeitswelt hatten. Es war der mangelnde Respekt, das fehlende Zwischenmenschliche und nicht zuletzt eben Mobbing-Erfahrungen, was die Leute in die Arbeitslosigkeit getrieben hat.


Worin ich irgendwie echt gut bin, ist, die Antipathie, oder sollte ich besser Andy-pathie sagen, die garstige Menschen in sich tragen, auf mich zu ziehen. Ich stelle mit meiner Hilflosigkeit gegenüber Psychoterror und Mobbing wohl ein ideales Opfer dar. Ich bin ein Magnet für Andypathie.


Ich versuche ja meine Mitmenschen einzusortieren. Nicht in links und rechts, schwul/lesbisch oder hetero, schwarz oder weiß, arm oder reich. Nein, solche Grenzen ziehe ich nicht. Ich sortiere sie ein in cool oder uncool. Für diese Einordnung präsentiere ich mich mit meinen Schwächen und warte ab, wie mein Gegenüber mit dem Wissen über meine Schwächen umgeht.

Nutzt er die Schwächen um mich fertig zu machen? Oder redet er mir gut zu und ignoriert meine Schwächen. Also quasi so. Eigentlich einfach.

Diese Strategie macht es aber erforderlich, dass man die Attacken seines Gegenübers aushält und wegsteckt.

Ich empfinde Klarheit als wohltuend und nehme dafür gerne die Attacken in Kauf. Ich möchte unbedingt wissen, wer sich mir da gegenüber befindet und wie ich ihn einzusortieren habe.

Aber es gibt nicht die eine Strategie! Jeder muss seinen eigenen Weg finden, sich seine individuelle Strategie erarbeiten, wie man herausfindet, wer einem wie gesonnen ist.


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Krieg, überall herrscht Krieg…